Wenn Du es eilig hast, dann geh langsam

— Autor: Ellen Hermens

Sprüche – geht Ihnen das manchmal auch so, dass Sie sich denken: wieder so ein Spruch, mit dem ich nichts anfangen kann?

Das ging mir bei dem Spruch auch lange so: Wenn Du es eilig hast, dann geh langsam. Wie kann das denn funktionieren? Ich dachte: „Wenn ich langsam tue, dann werde ich noch später fertig oder schaffe es gar nicht.“ In der letzten Woche habe ich den Spruch endlich verstanden.

Wenn Du es eilig hast, gehe langsam

Ich habe früher immer gedacht, dass es philosophisch gemeint ist und wir uns innerlich heruntertakten, damit wir unser Eilig-sein abschwächen oder eben, wenn wir eh schon zu spät kommen, dann spielen ein paar Minuten mehr keine Rolle mehr. Aber wohl gefühlt habe ich mich mit dem Ansatz nicht.

Ja, ich sehe auch, dass wir – wie Robert Betz das nennt – das meistgesprochene westliche Mantra bedienen: „Ich habe keine Zeit“. Der Spruch kam mir immer vor als ob er uns lehren soll, dass wir uns nur selbst unter Druck setzen. Stimmt schon, aber langsam tun war für mich keine Lösung.

Naja, hin und wieder habe ich es geschafft, wenn ich zu einem Termin unterwegs war, den Weg auch zu genießen. Gerade im Straßenverkehr – egal ob öffentlich oder mit dem eigenen Wagen – gibt es wenig Möglichkeiten die Fahrt zu beschleunigen. Also kann man die Fahrt auch genießen.

Der Aha-Moment

Neulich hatte ich wieder mal eine Deadline – ein fester Termin für den ich noch so einiges fertigzustellen hatte – als ein Anruf kam und der Termin um einen Tag vorverlegt wurde. Also hatte ich auf einmal die Arbeit, die ich an zwei Tagen machen wollte an einem Tag zu erledigen. Was möglich war und doch fühlte ich den Zeitdruck. Ich geriet vollständig in Hektik und versuchte, so schnell wie möglich zu arbeiten. Ich fühlte mich gejagt. Ich versuchte verzweifelt den Überblick zu wahren und der Stress fuhr mir regelrecht in die Glieder. Meine Schultern und Oberarme begannen zu ziehen, dann ging das Ziehen weiter in meinen Rücken und die Beine und in meinem Kopf baute sich ein enormer Druck auf. Bis ich irgendwann erkannte, was ich tat: Ich hatte es eilig gemacht und war in Hektik verfallen.

Meine innere Stimme rief ständig: „Du musst rechtzeitig fertig werden. Du musst fertig werden. Mach endlich. Schnell, schnell.“ – Irgendwann wusste ich dann nicht mehr, wo mir der Kopf stand und ich hielt erst einmal inne. Als ich merkte, wie ich mich selbst in Hektik begeben habe, habe ich erst mal tief durchgeatmet und mich langsam wieder heruntergetaktet.

Wenn Du es eilig hast, dann geh langsam – meine Lösung

Wenn ich heute in eine solche Hektik verfalle und ich diese Symptome gespürt (verspannter Rücken, Arme und Druck im Kopf), halte ich inne. Oft stehe ich auf und bewege mich erst mal, gehe aus dem Büro und mache mir erst einmal einen Tee, rede mit jemandem und achte darauf, wie sich die Verspannungen lösen. Erst wenn ich spüre, wie sich auch der Druck im Kopf löst und schließlich wieder klar denken kann, gehe ich wieder an den Schreibtisch zurück.

In der Stresssituation neulich bin ich erst als ich mich wieder wohl fühlte an den Schreibtisch zurückgegangen und konnte meine Arbeit besser, effizienter und mit Spaß fertigstellen.

Ich habe früher schon beobachtet, dass sich in hektischer Arbeit Fehler einschleichen. Das lässt sich fast nicht vermeiden. Aber wenn ich mich wohl fühle, dann passiert das deutlich seltener. Auch die Kreativität leider unter Hektik und Stress. Vor allem wenn ich Schreibarbeit habe – also meine Königsmacher-Tipps, Teile der Webseite oder Tagungunterlagen zusammenstelle, dann brauche ich doppelt oder dreimal so lange, wenn ich in Hektik schreibe als wenn ich entspannt schreibe.

Wohlfühlen ist der Trick

Die Zeit, die ich brauche, mich wieder wohlzufühlen, ist deutlich geringer als die Zeit, die ich für die Aufgabe in Hektik und Stress benötige. Also wenn Sie spüren, wie Stresssignale in Ihrem Körper sich ausbreiten, nehmen Sie sich die Zeit, um zu entspannen und sich wieder wohl zu fühlen. Mit Spaß arbeitet es sich nicht nur dreimal so gut, sondern auch dreimal so schnell und vor allem dreimal leichter.

 


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2 Antworten zu “Wenn Du es eilig hast, dann geh langsam”

  1. Klaus Krebs sagt:

    Das Beispiel ist gut nachvollziehbar und regt zum Mitmachen an. Aber ein bisschen Stress kann ja durchaus auch positiv aktivierend sein.

  2. Hallo Herr Krebs,
    vielen Dank. Ja, ich geben Ihnen Recht, dass ein wenig Stress durchaus positiv wirkt. Ich selbst fühle mich dann aufgeregt, voller Vorfreude und kann es kaum abwarten loszulegen.
    Ich beziehe mich allerdings im Blog-Artikel auf die Art von Stress, die das Hirn benebelt und das Denken schwer macht. Da hilft dann nur, sich zu entspannen. Einen Gang zurückzuschalten und tief zu atmen, damit das Gehirn wieder genug Sauerstoff bekommt.
    Für manche meiner Klienten baue ich sogar Bewegungsübungen in den Vortrag ein. Ich kann mir vorstellen, dass Sie als Körpersprach-Trainer ähnliche Ansätze haben.
    Beste Grüße
    Ellen Hermens

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