Kill the Babies

— Autor: Ellen Hermens

Keine Sorge, damit sind keine lebenden Babies gemeint! Die werden weiterhin beschützt, geliebt und verwöhnt, sondern viel mehr lieb gewonnene Geschichten, die eine Rede stören. Wie kann aber eine persönliche Geschichte stören?

Baby, das den runden Ablauf von Dominosteinen störtLetztens habe ich einen Redner erlebt, der über das Motto sprach: „Change for the better – not for fun“. Also im übertragenen Sinn: Ändere Dich, um besser zu werden, nicht weil es Spaß macht. Der Vortrag begann fesselnd, mitten im Vortrag schweifte der Redner dann ab in Richtung „Denglisch“ bevor er wieder zum Motto „Change for the better“ zurück kehrte. Als Zuschauer war ich verwirrt und konnte keinen Zusammenhang feststellen.

Nach dem Vortrag bestätigte mir der Redner, dass das eines seiner leidenschaftlichen Interessen sei und er nicht darauf verzichten wollte. Er hat allerdings auch bemerkt, dass es nicht gut in die Rede passte. Aber wie können wir das verhindern?

Persönliche Geschichten = Babies

Solche persönlichen Geschichten und Themen, die noch starke Emotionen bei dem Redner selbst hervorrufen, werden ihm oft beschützt, geliebt und gehegt wie Babies. Achten Sie mal bei anderen darauf (bevor Sie bei sich anfangen) – unbewältigte Traumata oder Probleme, emotional stark behaftete Themen, aber auch herrliche Geschichten und humorvolle Anekdoten werden manchmal in Präsentationen eingebaut und dann versucht, sie irgendwie zu integrieren. Der Ausdruck stammt übrigens von Denise Magyar, einer exzellenten Rednerin, die auch Europameister der Freien Rede gecoacht hat.

Sie können sich selbst bei der Vorbereitung auch auf den Prüfstand stellen. Wenn Sie eine Geschichte haben, bei der Sie das Gefühl haben: „Die muss unbedingt in den Vortrag, die Geschichte ist so gut!“ Das ist oft ein Indiz für ein Baby. Es tut weh, sie aus dem Vortrag zu streichen. Fragen Sie sich bei jeder Geschichte und bei jeder Anekdote: „Unterstreicht diese Story meine Botschaft?“ – Wenn sie sie nicht unterstreicht, dann raus damit!

Ablauf eines Vortrags

Eine gute Rede oder Präsentation ist wie eine sorgfältig aufgebaute Domino-Kette, in der ein Argument zum nächsten überleitet und das Publikum zu dem gewünschten Schluss führt. Wir bauen als Referent eine Argumentationskette auf und erst im großen Zusammenhang ergibt sich ein sinnvolles Bild. Haben Sie schon einmal einen Domino-Day beobachtet? Mit den noch stehenden Dominosteinen erkennen Sie Schemen, erst im umgestoßenen Zustand sind Bilder vollständig zu erkennen.

Sie sehen bestimmt schon worauf ich hinaus will: wenn ein Baby wie oben auf dem Bild dazwischen steht und die Argumentationskette unterbricht, dann können Sie zwar danach die Argumentationskette wieder anstoßen, aber Sie verwirren das Publikum. Manchmal verliert ein Referent allerdings völlig den Faden und dann bleibt das endgültige Bild brach liegen und die Botschaft ist nur schemenhaft erkennbar.

Kill the Babies

Daher entfernen Sie diese Babies. Fragen Sie sich immer, ob Ihre Anekdote, Ihr Beispiel oder Ihre Geschichte die Botschaft Ihres Vortrags unterstützt. Falls das nicht der Fall ist, streichen Sie sie. Das mag vielleicht schwer fallen, aber das Publikum wird es Ihnen danken.

Schließlich sind Sie in der Führung und wenn Ihre Argumentationskette klar und deutlich ist und von Anfang bis Ende verbunden, dann folgt Ihnen auch Ihr Publikum.

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